Donnerstag, 27. August 2015

unsere Welt - #bloggerfuerfluechtlinge




Ihr Lieben,

ich führe ein ganz normales und unscheinbares Leben einer Frau, Mitte zwanzig, in Deutschland.
Jeden Tag marschiere ich an die Hochschule, schimpfe über mein Studium, die Dozenten und die Klausuren, obwohl ich mich selbst für ein Studium entschieden habe und auch das Fach frei wählen konnte. Ich ärgere mich über die Männer und mein Singledasein, obwohl ich den letzten selbst und aus freien Stücken verlassen habe und die Entscheidung nach wie vor als richtig erachte. Ich passe auf die Kinder meiner Nachbarn auf und jobbe im Café, um mir ein paar Euros zusätzlich zu verdienen, damit meine Reisekasse zu füllen, um dann mal wieder für einige Zeit meinem Alltag den Rücken zu kehren. Ich gehe mit meinen Freunden essen, abends tanzen, verlasse das Haus zu jeder Tages- und Nachtzeit und kehre irgendwann, wie es mir passt, wieder dahin zurück. Ich habe ein Dach über dem Kopf, eine Heizung, warmes und fließendes Wasser, Strom, all das rund um die Uhr. Wenn ich müde bin, gehe ich ins Bett, schlafe in der Gewissheit, dass alles gut ist ein und stehe am anderen Tag wieder auf. Ich muss keine Angst davor haben, dass mein Haus in der Nacht zu Trümmern zerbombt wird.

Und während ich so darüber nachdenke wird mir wieder einmal bewusst, wie wenig selbstverständlich das ganze doch ist. 

Ich laufe selbstverständlich durch die Straßen, ohne Angst davor haben zu müssen, dass ich jeden Moment von einer Bombe in den Tod gerissen werde. Ich kann mich mit Menschen unterhalten, die andere Religionen, Hautfarben und sexuelle Neigungen haben, ohne mich als Verräter zu fühlen und ohne Angst davor haben zu müssen, dass ich, nur weil ich bin, wie ich bin aus einem dieser Gründe verfolgt oder gar umgebracht zu werden.

Während so viele Menschen auf der Welt nicht satt werden und nur so wenig zu essen haben, dass sie am Hungertod sterben, kenne ich Hunger nur zu festen Zeiten. Ich lebe im Überfluss. Wie oft habe ich meinen Teller nicht aufgegessen, etwas liegen lassen, weil es mir nicht schmeckte oder weil ich es aus welchen Gründen auch immer nicht essen wollte? Nie musste ich hungern oder mir überlegen, wie ich meine Familie die nächsten Tage satt bekomme. Während die einen um jedes Reiskorn froh sind, sind wir es hier, die immer einen Grund finden, zu motzen.

Nur, weil ich das Glück hatte, in Deutschland zur Welt gekommen zu sein, habe ich die Möglichkeit als Frau über meine Bildung und meinen Berufslaufbahn zu entscheiden. Furchtbar, wie vielen Frauen das noch immer verwehrt bleibt, dass es noch möglich ist, dass Mädchen nicht zur Schule dürfen, weil sie Mädchen sind. Und wir sitzen hier und schimpfen darüber, dass die Klausur zu schwer war.

Ich selbst entscheide, ob und wen ich heirate, was für mich schon immer normal war. Umso schlimmer, wenn man bedenkt, wie viele Frauen noch immer zwangsverheiratet werden und das mit Männern, die ihre Väter sein können, mit Männern, die sie noch nie zuvor gesehen haben. Frauen die sich dagegen wehren, werden aus der Familie verstoßen, teilweise mit massiver Gewalt brutalst behandelt.

Wie viele Menschen sind tagtäglich aus diesen Gründen auf der Flucht aus ihrer Heimat?
Sie fliehen, um zu überleben, lassen alles zurück, in der Hoffnung auf ein besseres Leben, in der Hoffnung, ihre Kinder mögen es einmal besser haben, als sie selbst. Sie begeben sich auf dem Weg in die Zukunft direkt in die Hölle, erleben furchtbare und unvorstellbare Strapazen, bezahlen die Hoffnung auf eine Zukunft zum Teil sogar mit ihrem Leben. 

Ich habe das Glück, hier in Deutschland zu leben und hier aufgewachsen zu sein.
Dieses Privileg habe ich aus reinem Zufall. Und genau das ist der Grund, weshalb wir uns alle für die Flüchtlinge und gegen den Fremdenhass einsetzen müssen. Wir hatten Glück, die anderen nicht! Ein kleiner Schritt Klick für mich, ein großer für die Menschheit: #bloggerfuerfluechtlinge

Also zeigt Flagge!
Für diese eine Welt, in der jeder Mensch Mensch sein darf!


Eure 
 
PS: Wer mit Spenden hellfen möchte oder sich über aktuelle Projekte informieren will hier entlang.

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Ich freue mich immer über liebe Worte!